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Eine Intervention mit 19 evangelischen Persönlichkeiten aus Vorarlberg
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Samuel Spindler

Samuel Spindler mit seinen Töchtern Fanny und Milli, um 1920  55

Samuel Spindler mit seinen Töchtern Fanny und Milli, um 1920  55

Samuel Spindler am Schreibtisch im Gewerkschaftsbüro, um 1930  54

Samuel Spindler am Schreibtisch im Gewerkschaftsbüro, um 1930  54

19

Samuel Spindler

Protestant und Sozialdemokrat
1882 – 1942

Samuel Spindler wurde 1882 in Galizien geboren. Mit 15 Jahren begab er sich auf Wanderschaft und erlernte das Schuhmacherhandwerk. 1907 ließ er sich in Bregenz nieder und schloss sich bald der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung an. 1918 wurde er als Arbeitervertreter in die Bregenzer Stadtvertretung gewählt, bis 1933 war er Landessekretär der Textilarbeitergewerkschaft.

1912 trat der geborene Jude Samuel Spindler gemeinsam mit seiner Frau, Maria Vobr, zum evangelischen Glauben über. Dieser Entschluss war für ihn nicht nur ein Akt äußerlicher Anpassung, sondern entsprach seinem ethischen Anspruch und sozialen Engagement. Nach dem frühen Tod seiner Frau musste er seine beiden kleinen Töchter alleine aufziehen.

Früh schon wurde er mit antisemitischen Äußerungen konfrontiert. Vertreter der Christlichsozialen beschimpften ihn als „galizianischen Juden“. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Lage für Samuel Spindler lebensbedrohlich. Von Krankheit und Gestaposchikanen gezeichnet und um dem Transport in ein Vernichtungslager zu entgehen, nahm er sich im November 1942 das Leben. An der Beerdigung auf dem evangelischen Friedhof in Bregenz durften nur die nächsten Angehörigen teilnehmen, anderen drohte die Verhaftung. Auch seine politisch aktive Tochter Franziska Vobr wurde inhaftiert.

Eine Gedenktafel, die Freunde von Samuel Spindler nach Kriegsende zur Erinnerung an sein Schicksal an seinem Grab auf dem evangelischen Friedhof am Ölrain angebracht hatten, wurde mehrfach illegal entfernt. Spindlers Schicksal rückte erst wieder in den Mittelpunkt öffentlichen Interesses, als im Jahr 2002 der zwischen Arlbergstraße/Römerstraße und Klostergasse, wo Samuel Spindler in einem der sogenannten Schweizerhäusern gewohnt hatte, gelegene Weg nach ihm benannt wurde.