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Eine Intervention mit 19 evangelischen Persönlichkeiten aus Vorarlberg
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Karl Gustav Philipp Doppelmayr

Ansicht der Textilmanufaktur Doppelmayr, gezeichnet von Karl Gustav Philipp Doppelmayr, um 1820 (heute Textildruckmuseum Mittelweiherburg, Hard)  21

Ansicht der Textilmanufaktur Doppelmayr, gezeichnet von Karl Gustav Philipp Doppelmayr, um 1820 (heute Textildruckmuseum Mittelweiherburg, Hard)  21

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Karl Gustav Philipp Doppelmayr

Industriepionier und Eigentümer der Textilmanufaktur Mittelweiherburg
1777 – nach 1837

Karl Gustav Philipp Doppelmayrs Vorfahren waren Händler, die aus der Oberpfalz stammten und bereits in der aufkommenden Textilindustrie tätig waren. Er heiratete die Tochter von Samuel Vogel, der in den 1790er Jahren im Ansitz Mittelweiherburg in Hard eine Baumwollmanufaktur eingerichtet hatte. Vogel selbst war aus dem badischen Emmendingen zugewandert und wird als ein Industriepionier für die Textildruckerei in Vorarlberg gesehen. Samuel Vogel verließ mit seiner Familie Hard nach knapp einem Jahrzehnt wieder und baute in Wels eine neue Fabrik auf. Die Harder Manufaktur erbte seine Tochter Karolina Vogel, die mit ihrem Ehemann Karl Gustav Philipp Doppelmayr 1813 von Wels nach Hard übersiedelte. Nach einem Brand wurde der Textildruckbetrieb in eine chemische Schnellbleiche und Appretur (veredelnde Behandlung von Stoffen und Textilien) umgewandelt.

Karl Gustav Philipp und Karolina Doppelmayr waren evangelisch und ließen ihre Kinder von einem evangelischen Prediger aus Appenzell-Außerrhoden unterrichten. Auch die meisten Facharbeiter der Harder Fabrik stammten übrigens, wie in anderen frühindustriellen Textilbetrieben in Vorarlberg, aus der Schweiz oder aus dem süddeutschen Raum. Diese „andersgläubigen“ Fremden wurden anfänglich von der ortsansässigen Bevölkerung mit Misstrauen betrachtet und gemieden.

Karl Gustav Philipp Doppelmayr führte sein Unternehmen mehrere Jahre erfolgreich und erwarb weitere Realitäten in der Umgebung der Mittelweiherburg-Fabrik. 1824 gab er jedoch seinen gesamten Liegenschaftsbesitz samt der Fabrik mit Ausstattung als Wetteinsatz in eine Lotterie. In allen großen europäischen Handelshäusern wurden Lose angeboten. Vermutlich tat er dies in der Hoffnung, damit Geld zu verdienen und den Gewinner der Liegenschaft durch eine aus dem Gewinn der Lotterie abgezweigte Abschlagszahlung auszulösen. Ob dies gelang, ist ungewiss – Tatsache ist, dass Doppelmayr den Besitz um 1830 verkaufte.

Sein Enkel Konrad Doppelmayr wurde schließlich in einer anderen Branche weltbekannt – er gründete 1892 in Wolfurt das Unternehmen Doppelmayr Seilbahnen.

Unterschrift von Karl Gustav Philipp Doppelmayr im Verfachbuch Bregenz, fol. 6, 1824 (Lotterie)  20

Unterschrift von Karl Gustav Philipp Doppelmayr im Verfachbuch Bregenz, fol. 6, 1824 (Lotterie)  20