Hier stehe ich...
Eine Intervention mit 19 evangelischen Persönlichkeiten aus Vorarlberg
11_Gulbransson_Index.jpg

Grete Gulbransson

Familienfoto, ganz links Jakob Jehly, um 1890  33

Familienfoto, ganz links Jakob Jehly, um 1890  33

11

Grete Gulbransson

Schriftstellerin und Heimatdichterin
1882 – 1934

Grete Gulbransson wurde als Margarethe Jehly in Bludenz geboren. Ihre Mutter Vanda, geb. von Poellnitz, heiratete nach dem frühen Tod ihres Mannes, John Sholto Douglass, der ein bekannter Industrieller und Alpinist gewesen war, den um einige Jahre jüngeren Landschaftsmaler Jakob Jehly. Dieser ungewöhnlichen Verbindung, die von vielen argwöhnisch und als nicht standesgemäß betrachtet wurde (adelige Witwe und mittelloser, jüngerer Künstler), setzte Grete Gulbranson mit ihrem Roman „Geliebte Schatten“ Jahre später ein literarisches Denkmal.

Margarethe wuchs in einem liberalen, der Kunst zugewandten Elternhaus, dem Haus „auf der Halde“ im Bludenzer Ortsteil Rungelin und später in der Villa Armatin auf. Nach dem Tod ihrer Eltern übersiedelte sie nach München, wo sie 1906 Olaf Gulbransson, den aus Norwegen stammenden Maler und Karikaturisten der Zeitschrift „Simplicissimus“, heiratete. Ihr Haus war jahrelang ein Treffpunkt der Schwabinger Kunstszene. Aus der Ehe, die 1923 geschieden wurde, stammte der Sohn Olaf Andreas, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland als Architekt zahlreicher evangelischer Kirchenbauten einen Namen machte.

Gulbransson ging Ende der 1920er-Jahre wieder nach Vorarlberg zurück und verbrachte ihre letzten Jahre in finanziell bedrängten Verhältnissen am Ansitz Weißenberg in Batschuns.

Zu ihrem Werk zählen Lyrikbände und umfangreiche, teilweise zu Lebzeiten veröffentlichte Tagebuchaufzeichnungen, die Einblick in ihre Persönlichkeit und das regionale, internationale, kulturelle und politische Geschehen ihrer Zeit geben.

Grete Gulbransson verstarb 1934 mit nur 51 Jahren in München. Sie wurde am evangelischen Friedhof in Bludenz beigesetzt. Ein Gedenkstein beim ehemaligen Ansitz Babenwohl in Bregenz, wo ihre Großeltern – die Familie Poellnitz – gelebt hatten und in dem sich heute die Landesbibliothek befindet, erinnert an die Dichterin.

Grete Gulbransson in Schloß Weißenberg („Batschunser Schlößle“), 1932  32

Grete Gulbransson in Schloß Weißenberg („Batschunser Schlößle“), 1932  32

Olaf Gulbransson, August 1906  31

Olaf Gulbransson, August 1906  31