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Eine Intervention mit 19 evangelischen Persönlichkeiten aus Vorarlberg
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Friedrich Wilhelm Schindler

Schindler-Areal, um 1920  50

Schindler-Areal, um 1920  50

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Friedrich Wilhelm Schindler

Elektrizitätspionier und Textilindustrieller
1856 – 1920 

Sein Vater Samuel Wilhelm Schindler (1826 – 1903) war Teilhaber der Firma Jenny & Schindler, die seit den 1820er Jahren in Hard und später in Kennelbach ein breit aufgestelltes Textilunternehmen mit mechanischer Spinnerei, Weberei, Bleiche, Färberei und Druckerei etabliert hatte. Friedrich Schindler wurde in der Heimat seiner Vorfahren, in Mollis im Kanton Glarus, geboren. Nach den Schulbesuchen in St. Gallen, Lausanne und Livorno folgte ein dreijähriger Aufenthalt in England. 1888 trat Schindler in die Textilfirma Jenny & Schindler ein.

Angeregt durch einen Besuch auf der ersten elektrotechnischen Ausstellung in Paris 1881, tüftelte Schindler an der Entwicklung elektrischer Anwendungen. 1888 wurde im Haushalt der Schindlers bereits elektrisch gebügelt. Seine Erfindungen stellte er 1893 auf der Weltausstellung in Chicago als „erste vollelektrische Küche“ vor. Er gründete in der Schweiz die Firma „Elektra“, aus der 1902 die „Elektra Bregenz“ entstand. Diese wurde mit dem „Bregenzer Herd“ bekannt.

In Bregenz-Rieden errichtete Schindler 1891 ein Elektrizitätswerk, das für die Textilfabrik in Kennelbach Strom lieferte. Am Weihnachtsabend 1901 brannte in der Kirche von Kennelbach das erste elektrische Licht. Damit begann die öffentliche Stromversorgung der Gemeinden rund um Bregenz. 1908 nahm Schindler in Andelsbuch das größte Wasserkraftwerk in Österreich-Ungarn in Betrieb und belieferte weite Teile des nördlichen Vorarlberg und des bayerischen Westallgäu. Die Elektrizitätswerke in Rieden und Andelsbuch waren der Beginn der „Vorarlberger Kraftwerke“.

Schindler war Mitglied des Presbyteriums der Evangelischen Gemeinde und finanzierte unter anderem die Erweiterung der evangelischen Schule und des Friedhofs. Für die evangelische Kirche in Bregenz ließ Schindler 1903 eine elektrische Fußbodenheizung installieren, womit sie zur ersten elektrisch beheizten Kirche der Monarchie wurde!

Die Familie wohnte in der Villa Grünau in Kennelbach (heute Gemeindeamt), wo Friedrich Schindler 1920 mit 64 Jahren verstarb.

Friedrich Wilhelm Schindler, um 1890  48

Friedrich Wilhelm Schindler, um 1890  48

Kraftwerk Andelsbuch, um 1920  49

Kraftwerk Andelsbuch, um 1920  49