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Eine Intervention mit 19 evangelischen Persönlichkeiten aus Vorarlberg
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Bartholomäus Bernhardi

Bartholomäus Bernhardi, Kupferstich von Johann Christoph Boecklin (1657–1709) und Johann Aepinus  13

Bartholomäus Bernhardi, Kupferstich von Johann Christoph Boecklin (1657–1709) und Johann Aepinus  13

Darstellung der Hochzeit des Priesters und Reformators Bartholomäus Bernhardi 1521. Freilich waren weder Luther noch der Herzog von Sachsen anwesend.  14

Darstellung der Hochzeit des Priesters und Reformators Bartholomäus Bernhardi 1521. Freilich waren weder Luther noch der Herzog von Sachsen anwesend.  14

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Bartholomäus Bernhardi

„Beweibter“ Mönch
1487 – 1551

Bartholomäus Bernhardis Vater war Dorfrichter und Großbauer. Er wünschte sich für ihn und seinen jüngeren Bruder Johannes, die beide in Schlins geboren worden waren, eine gediegene Ausbildung. Er schickte sie deshalb auf die Lateinschule in Eisenach.

Dort lernten die Brüder als Mitschüler Martin Luther kennen, der ihr Leben später maßgeblich prägen sollte. Bartholomäus Bernhardi ging nach seiner Zeit an der Universität Erfurt nach Wittenberg, an die damals junge Universität. Er wurde Professor der Physik, trat in den Augustinerorden ein und begann Theologie zu studieren. Nachdem er an verschiedenen Orten, u.a. in Chur, als Priester gewirkt hatte, kehrte er nach Wittenberg zurück. In einem öffentlichen Streitgespräch legte er schon 1516 Thesen vor, die inhaltlich der Meinung Luthers entsprachen und wurde damit zu einem Wegbereiter der Reformation. 1521 heiratete er die Kembergerin Gertraude Pannier und bekam mit ihr in Folge sieben Kinder. Er war damit einer der ersten Priester, die öffentlich mit dem Zölibat brachen. Bernhardi verstand seine Verehelichung nicht als revolutionär, vielmehr als Konsequenz der reformatorischen Bemühungen. In einer Verteidigungsschrift unter dem Titel „Das die Priester Eeweyber nehmen mögen und sollen“ legte er seine Beweggründe zu diesem Schritt dar. Die „Apologia“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt und fand weite Verbreitung.

Im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 wurde er selbst Opfer der gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten. Er überlebte die ihm zugefügten Misshandlungen nur wenige Jahre und starb 1551 in Kemberg, wo er als Pfarrer tätig gewesen war. 

Zum 500. Geburtstag von Bartholomäus Bernhardi errichtete die Gemeinde Schlins einen Gedenkstein für die Brüder Bernhardi.